That’s my blog theme. I call it Messagerie.

This is how entries look like when you use it. We don’t need the conventional structure of blog posts to share our ideas and that’s fine.

But what happens if you need those winning full-packed blog posts? No problem, It’s okay to have post titles and avatars back if you need them. You will just need to set your posts under the correct Categories and it’s done.

Enough with instructions, right? Delete this Group section and spread your word to the World.

  • Kommentar about last night :) Heal your inner Marie Antoinette

    In drei Wochen schließt der Laden und Gabriel sagt, ich MUSS noch hier gewesen sein. Der Besitzer ist iconic. Gabriel zählt Stars auf, die hier aßen. 

    Meine Anmaßung des Abends war ein Versprecher: Pizzeria sagte ich, aber wir gehen zum Italiener, und Pizza ist prekär. Doch hier nimmt niemand jemals Maß. Ich schämte mich heimlich bis ich verstand: das Reglement schreibt unverschämt. Meine Sonderwünsche sind so punk aber hier ist Rebellion irgendwie Status Quo. Denn hier kriege ich immer alles, was ich will.

    „Wenn Sie also keine Pizza haben, bringen Sie mir doch die Jakobsmuscheln“, spottet meine innere Marie Antoinette und ich belächle sie.

    Die Vorspeise: 23€ für eine halbe Aubergine, serviert ohne Pistaziencréme, dafür mit der vollen Arroganz des Besitzers. „Du kommst doch nicht wegen des Essens, du kommst wegen mir“.-„Wir kommen trotz dir.“, giftet Gabriel zurück. Oh, ist das aufregend. I love it.

    Ihn musternd feuere ich einen Blick, was denkt der wer er ist, 

    — aber das ist er wirklich, rotweinglashaltend. Er trägt Brunello Cucinelli, denn Amore konnte ihn niemals tragen, vielleicht ist sein Herz zu schwer. Seine High Fashion Uhr schlägt mich im Kampf um meine Würde. Plötzlich wird aus Tragik Komik. Na klar. So selbstverliebt ist nur wer weiß: Love is pain. Bin hingerissen, hinter Wut liegt Sinnlichkeit und hinter Angst liegt Stil. It’s a pleasure, ein Teil dieses Outfits zu sein. Ich bezahle ab jetzt jeden Preis, ganz egal ob Geld echt keine Rolle spielt oder mein Logen-Ticket für‘s Theatralischsein am Ende des Monats eben in Lidl-Crémant, selbstgedrehten Zigaretten und Espresso ohne Hafermilch nachschmeckt. Dann nenne ich meinen Lifestyle „Minimalismus“ und es ist ein Look.

    Heute trage ich Plateau-Loafer und heute bin ich Gernegroß und bestelle den Hauptgang: „Linguine Hummer Schanz“, schreiben klassizistische Buchstaben in der Karte. Der „Schanz“ übersteigt meine Eloquenz, fürchte ich zunächst und nuschle absichtlich, während ich bestimmt und ernsten Blickes auf dieses Diktum in der Karte zeige. Wahrscheinlich Hummerschwanz mit Rechtschreibfehler, denke ich hinterher, während Gabriel in vollkommener Hoffähigkeit bestellt. — Ach, es handelt sich um einen Schwanz! Ich lache laut über meine Gedanken und hoffe, dabei nicht vergnügter als angemessen auszusehen.

    „Ich bin eigentlich vegan, aber wenn ich sündige, dann festlich“, höre ich meine Worte in italienischem Charme verhallen. Nicht so ein Kracher wie geplant, aber besser als mein Pubertätshumor. Eigentlich auch wahr, aber ab heute weiß ich einfach nicht mehr, wer ich bin.

    Oh ja, der Besitzer ist iconic, denke ich mir und es gilt zu unterscheiden in Ikone und Idole, denn inspirierend ist hier eigentlich nichts. Hier darf ich alles haben aber nicht viel sein: This is the place, endlich zu scheinen.

    Und Kellner klagen laut, fesselnd, pur und schön. Na klar wird sich groß ausgekotzt. Versuchung geht genüsslich durch den Magen. Hunger ist hier unvergänglich, warum sollte ich widerstehen? Liebe ist Bulimie. 

    Prestige ist das Dessert und mein Nachtisch ist die Zigarette. Kaufe ich eine Flasche Archivio Storico, kann ich einfach drinnen rauchen, erklärt Gabriel, aber niemals fragen, einfach machen. Und dann wissen alle, wer ich bin.

    Hier beeindrucke ich mit Hochmut und hier ist mein Größenwahn zuhause, denn Glanz entspringt fragilen Egos und Verzweiflung. Das wissen alle hier. 

    Kultiviert liebt primitiv. Hier ist alles echt. Vermessen heißt nur unverfälscht. 

    Meine arme Seele findet Trost in Gentlemen ganz alter Schule, die mir, meinen Rücken ganz kurz streifend,  meinen Mantel abnehmen. Mein „on tumblr since 2007“-Shirt darunter ist oversized, mein Gefühl der Wichtigkeit jetzt auch und das H&M-Schildchen darin bedeutet hier nichts als „I don‘t give a fuck“. Mein Burberry-Portemonnaie bedeutet genauso viel wie das der anderen auch und wahrscheinlich bin ohnehin nicht ich es, die die Rechnung zahlen wird.

    Hier zeige ich nicht, wieviel ich habe, sondern was mir fehlt.

    Hier handle ich nicht, hier stelle ich dar – in allem, was ich tue.

    Wer hier isst, dem fehlt nur das Größersein, deshalb sind hier alle gleich, und deshalb ist hier wirklich alles anders, irgendwie. Man muss hier gewesen sein. Ich mache es mir gemütlich im goldenen Käfig. Na klar haben wir es nötig. Aber warum hilft dann niemand in der Not? Vielleicht haben wir sie schon seit wir denken können selbst vergessen. Cruel Intentions wachsen in mir und ich werde zu Kathryn und wieso kriege ich denn nie Erbarmen, wenn ich doch so erbärmlich bin? „Here’s your analysis, Dr. Freud.“, sage ich. Kontext brauche ich nicht mehr. Hier kriege ich alles, was ich will. Das Echo eines Hilfeschreis ist schlechter Ruf und wo Rechtfertigung scheitert rettet mich Apologie.

    Blicke schießen durch den Raum, niemals musternd, die kalten entspringen der Furcht, die heißen der Begierde. Ich verfalle und gefalle und nur der, der alles hat, spürt noch den Ursprung unserer Triebe. Ich liebe alles hier irgendwie. Nicht weil es so schön ist, sondern weil ich verliebt bin, ich muss einfach, ich fühl einfach.

    Ist doch klar. Niemand ist je beeindruckt von Prahlereien, alle hassen die Bourgeoisie und sie hasst sich selbst ja auch so sehr, und ich weiß jetzt wieder, dass am herablassendsten ist, wer in den Abgrund blickt. 

    Denn Gabriel veralbert das sensible Personal und ich lache laut in mich hinein. Das Personal lacht alle aus. Es ist so lustig hier.

    Der Besitzer schreitet zum Flügel. Also er torkelt eigentlich, aber alles, was hier passiert, verschwimmt im eleganten Schleier. Man muss hier gewesen sein. Hier macht alles Sinn. Heilung ist Unpässlichkeit. Ab jetzt wird alles anders.

    Und das ist es wert. Mein Selbstwert ist auf Pump gekauft und seiner spielt uns betrunken die Nocturne. Er singt auf italienisch und Gabriel entschuldigt: „er kann nicht singen“, Gabriel klagt: „das ist aber fröhlich, sonst spielt er nur traurige Stücke“. 

    —„Jetzt verstehe ich alles…“, 

    unterbreche ich ihn, sehe mich noch einmal um, erstarre. Nirgendwo sonst fand ich je solche Weisheit.

    „und vielleicht singt er heute nur so heiter, weil er das Scheitern akzeptiert hat. Wie wir vor den Sommerferien in der 8. Klasse, als wir schon wussten, dass wir sitzenbleiben. Dann ist endlich alles lustig.“

    —„Ja, es ist das sinkende Schiff.“